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Von Innen nach Außen


Stell dir vor

 

es ist Winter. Draußen verbünden sich Kälte, Eis und Schnee und versuchen mit ordentlich Sturm im Gepäck kompromisslos die Weltherrschaft an sich zu reißen, während du zu Hause, auf der Couch, neben einem Meer an Teelichtern, eingehüllt in eine kuschelige Decke, den duftenden Tee genießt, beim Lesen die Welt um dich herum einfach vergisst und du ganz bei dir bist.

 

Fühlt sich wunderbar an, oder nicht?! Es sind Momente, in denen die Zeit still zu stehen scheint und man glücklich ist, ohne unbedingt einen großartigen Grund dafür zu brauchen.

 

Dieses Winter-Komplott kann draußen vor der Türe wüten und toben wie Rumpelstilzchen am Lagerfeuer, wird bei dir allerdings wenig Eindruck schinden, weil du deine Aufmerksamkeit nicht nach draußen richtest, sondern bei dir hast. Deshalb fühlt sich trotz vermeintlichem Weltuntergang im Außen bei dir im Inneren alles gut an.

 

Als Kind kennst du zunächst nur dieses Wohlige im Inneren. Du bist mit dir und deiner kleinen Welt beschäftigt und darüber glücklich. Alles was zu dir gehört und dir gut tut, hast du hier. Du erkundest eines nach dem anderen und entwickelst und erweiterst deine Talente und Interessen. Alles darf sein. Du darfst etwas nicht können und üben, Fehler machen, aufgeben, weitermachen, es sein lassen, ausbauen und variieren, kombinieren und verändern... Es ist deines und wird weder bewertet noch beurteilt, es ist wie es ist. Du bist wie du bist. Und du bist genau richtig, so wie du bist.

 

Es kommt der Zeitpunkt, an dem du dann bemerkst, dass es außer dir und deinem Reich noch etwas gibt. Du wirst nachsehen, was da los ist, wer da ist und was dieser jemand macht und kann. Du wirst auch vielleicht aus deinem Inneren ein bisschen hinaus gehen, um die andere Person kennenzulernen.

Ihr entdeckt Gemeinsamkeiten oder auch nicht, jeder kann dem anderen etwas von sich zeigen, ihr tauscht euch aus, lernt vom anderen, merkt, dass ihr euch ergänzt oder unterstützen könnt. Und jeder ist wie er ist, ohne Wertung. Und jeder ist gut, genauso wie er ist.

 

So erkundet ihr nacheinander und in eurem Tempo eure Umgebung und eure Mitmenschen. Es ist selbstverständlich für jeden, sich in sein Inneres zurückzuziehen, wenn einem danach ist und niemand ist eingeschnappt, wenn das jemand macht. Wenn draußen Unwetter ausbrechen, kann jeder im Innen tun was Spaß macht, Kraft gibt, aufbaut etc.., wenn man gemeinsam unterwegs ist und der Sturm wütet, findet man Hand in Hand nachhause.

 

Soweit wäre ja eigentlich alles prima. Aber irgendwann passiert es. Fast unbemerkt schleicht sich etwas ein. Es beginnt damit, sehr subtil Unruhe in uns auszulösen, indem es Zweifel hervorruft, ob wir und das was wir tun richtig ist, und es Mangel vorgaukelt, weil es unser Inneres als "zu wenig" bezeichnet.

 

Du bist innerlich zerrissen, einerseits findest Du dich gut, andererseits könnte es ja vielleicht doch stimmen, dass du nicht gut genug bist... du findest es schön, immer wieder zuhause zu sein, um aufzutanken, aber eventuell könnte es ja doch stimmen, dass du damit Zeit verschwendest, mehr leisten könntest, würdest du dich nicht so oft oder gar nicht mehr zurückziehen... du warst bis jetzt der Meinung, dass du alles hast, was du brauchst, dass es das Richtige ist für dich, dass jeder hat was er braucht, aber jetzt überlegst du, ob es nicht doch sein könnte, dass du was anderes brauchst, mehr brauchst, dich an den anderen orientieren solltest...

 

Du siehst dich um, da sind tatsächlich andere, die wenig im Inneren verbringen, welche, die das Innere anderer bewerten, ihr eigenes komplett umkrempeln oder gar verlassen, draußen umherirren, obwohl sie für den Sturm gar nicht mehr gerüstet sind, aber zuhause sein als unnötig bezeichnen, sich an andere Umherirrende anpassen, sich vergleichen und immer besser zu sein versuchen... Du siehst wie die Zeit fließt, wie alles hetzt, hörst Gejammer und Beschwerden, weil das Leben zu schwer, so ungerecht und unbefriedigend geworden ist...

 

Es rumort in dir, immerhin dachtest du, alles wäre gut so wie es ist, das Leben wäre ein Fest, aber anscheinend liegst du damit falsch, oder es ist nicht das was man hier tun soll. Du kämpfst mit dir, bis du dich schließlich vor lauter schlechtem Gewissen nicht mehr traust, dein wohlig warmes Innere zu genießen.

 

Es kommt so weit, dass du genervt von deiner Couch aufspringst, die Decke in den Kamin wirfst, dir die Kleider vom Leib reißt, deine Terrassentüre voller Elan aushängst und lauthals hinaus brüllst, wie arschkalt, ungemütlich und gnadenlos dieser unnötige Winter doch ist. Man macht das so, hat man dir gesagt. Das ist normal, hast du gehört. Und du willst ja dazu gehören...

 

Also gehst du noch weiter. Um dem Ganzen mehr Ausdruck zu verleihen, marschierst du tatsächlich auch hinaus in diese unbarmherzige Kälte, immer noch nackt versteht sich, lässt alles im Inneren, ignorierst es fast schon, dass es da ist. Bitterlich unter diesen unzumutbaren Umständen leidend, beschwerst du dich nun auch fürchterlich darüber, wie anstrengend und erbärmlich das alles ist. Mit der Zeit passt du dich so gut an, dass du zwischendurch über jeden schimpfst, der sich noch traut, im Inneren gemütlich zu entspannen, weil "Entschuldigung?!?!! Wie kann man nur?!! Was, wenn das jeder machen würde... Nicht auszudenken, was da los wäre!!"

 

Es kommt, wie es kommen muss. Du verlierst dein Inneres aus den Augen, du tankst nicht mehr nach deinen Bedürfnissen auf, sondern hetzt im Außen irgendwelchen Vorstellungen nach, die nicht deinen Ideen entsprechen... du entwickelst und erweiterst dich und dein Inneres nicht mehr dir entsprechend, sondern bist beschäftigt mit Erwartungen zu erfüllen, von denen man dir sagt, dass es so sein muss... du vergisst nach und nach was du zuhause gemacht hast, wie du dabei gestrahlt hast, dass dir das gut getan hat, und glaubst, dass du belohnt wirst, wenn du den harten Sturm im Außen bekämpfst...

 

Irgendwann bist du, weit weg von zuhause, mitten im Sturm, du siehst vor lauter Nebel nicht mehr wo du bist. Es ist kalt, du hast keine Energie mehr, keine Lust mehr... Du bleibst stehen. Dir ist zum Schreien, oder Heulen, es ist überhaupt nicht mehr so, wie du es dir gewünscht hast, so wie du gedacht hast, dass es sein wird... Aber gut, du bist hart im Nehmen, du willst es beweisen, du kannst das! Es muss ja so sein, alle machen es so, also wirst du das wohl gefälligst auch so hinkriegen.

 

Doch dann kommst du zu einem Punkt, wo du es einfach nicht mehr schaffst. Du bist kurz vor dem Umkippen und Erfrieren. Es geht nichts mehr. Du kannst es nicht mehr mit dir vereinbaren, du willst nicht mehr.

 

Und dann stehst du da. Stille.

 

Bin ICH das? Tut mir das gut? Macht das Leben so Spaß?

 

In der Stille blitzen Bilder in dir auf, von zuhause, von der Wärme, deinen Sachen, deinem Lachen, deiner Motivation, deinen Ideen, deinem Elan...

 

Verdammt. Was tu ich da? Warum bin ich mein eigener Gegner? Warum habe ich mein Zuhause einfach stehen lassen, mich stehen lassen? Wieso habe ich nicht dem vertraut was ich spüre?

 

Genug. Es reicht. Du stehst auf.

Deine Kraft springt mit dir hoch. Diese Entschlossenheit entfacht eine Wärme in dir, dass du in Bewegung kommst.

 

Du hast nicht die geringste Ahnung, wo du bist und wie du wieder zu deinem warmen Inneren findest, aber du weißt, dass es nach all den mehr oder weniger notwendigen Gladiatorenkämpfen und vermeintlichen Heldentaten, die du da draußen geliefert hast, Zeit ist, dich auf den Weg zurück zu deinem Zuhause zu machen.

 

Das Leben sieht dich stehen, es weiß, was du geleistet hast, es kennt deine Abenteuer. Es kennt dich aber auch wie du ursprünglich warst, was dich ausmacht, was du wirklich bist. Und es freut sich über alles, dass du die Entscheidung getroffen hast, endlich wieder dorthin zurückzukehren, wo du hingehörst, um das zu sein, was du wirklich bist. In all dem Chaos lächelt es dich an, nimmt dich an der Hand und stapft mit dir los.

 

Während du gehst, blitzen immer öfter diese inneren Bilder auf, immer besser erinnerst du dich daran wie es war, das gibt dir noch mehr Kraft.

 

Du triffst auf andere, die merken, dass du nicht mehr so läufst, wie alle laufen, die merken, dass du andere Prioritäten haben musst, dass du ein anderes Ziel verfolgt, dass du dich nicht mehr am Sturm-Drama beteiligst, dass du Ruhe und Entschlossenheit ausstrahlt, dass es dir nicht mehr wichtig ist, wer schneller, weiter, besser ist... Einige können es nicht einordnen in ihr Schema, sie wollen sich auch nicht damit beschäftigten, es passt nicht in das allgemeine Konstrukt...

 

Aber dir begegnen auch Menschen, die an einem ähnlichen Punkt wie du stehen geblieben sind, auch innehalten und ebenso beschlossen haben, wieder zu sich nachhause gehen zu wollen. Das tut gut. Es ist schön zu sehen, dass man doch nicht alleine ist.

Und so macht ihr euch gemeinsam auf den Weg. Ihr bemerkt, dass jeder von euch unterschiedliches Gepäck mit sich schleppt, verschiedenes Werkzeug zur Verfügung hat, andere Erfahrungen gemacht hat, und ihr euch so auf eurem Weg nachhause gegenseitig unterstützen könnt. Damit wird die Reise zu einem Erlebnis, das euch Stück für Stück wieder in Verbindung zu eurem vertrauten, einzigartigen Inneren bringt.

 

... so sind wir alle irgendwo, irgendwie unterwegs, drinnen oder draußen, verbunden oder uns etwas fremd, kämpfend oder entspannt, mit oder gegen uns, auf Suche oder nicht, auf der Flucht oder dem Weg nachhause, verwirrt oder zufrieden...

 

Es ist nicht immer so einfach, zu wissen was für sich selbst das Richtige ist oder wohin man möchte.

 

Vielleicht hat man sich so weit hinausgewagt, dass man gar nicht weiß, wie man nach Hause kommt, weil die Sicht vernebelt ist oder/und man die Orientierung verloren hat.

 

Vielleicht rennt man lieber außen im Kreis, weil man sich in seinem Zuhause nicht wohl fühlt und man erst mal einen Haufen Arbeit hätte, bevor man zum Couchliegen käme... da stehen Sachen herum, die man zwar überhaupt nicht mehr toll findet, aber noch hat, weil kurz vorm Wegwerfen die Motivation entschlossen abgebogen ist. Dinge, die wichtig wären, sind irgendwo hinter Krempel versteckt, den man auch noch erledigen wollte, und man müsste sich erst mal hinsetzen und Zeit nehmen, um etwas Ordnung zu schaffen und ganz ehrlich, wahrscheinlich auch die Motivation abfüllen, damit sie in völliger, betrunkener Umnachtung mit einem gemeinsam den anstehenden Mist ausführlich betrachtet und dann tapfer das Fenster öffnet und mit einem mutig eines nach dem anderen da hinaus befördert.

 

Vielleicht hat man das sogar schon hinter einen gebracht und sitzt irgendwie da, überlegt, ob die Variante mit dem Rausgehen nicht vielleicht doch spannender wäre, als da zu sitzen und zu überlegen, was jetzt gut tun könnte/sollte/müsste... Weil irgendwie fehlt so jegliche Erinnerung an das was man so extrem gerne macht, dass man einfach freudestrahlend nie wieder aufhören würde, und man hat keinen Schimmer, wie man sich das wieder ins Bewusstsein rufen kann.

 

Vielleicht hat man aber auch das bereits durch und plagt sich "nur" mit seinem schlechten Gewissen, weil man prinzipiell, faktisch, praktisch und rein theoretisch alles hätte... ein gemütliches Inneres und das Wissen darüber was so richtig gut täte... und jetzt weiß man nicht so recht, ob das in Ordnung ist, wenn man das, was man geschafft hat, auch (zurecht) genießt, weil die anderen... es muss doch hart sein, haben sie gesagt, das Leben ist kein Wunschkonzert, haben sie gemeint, und wer bin ich denn, dass ich mir das (nach all der Arbeit, die ich für mich und alles was dazu gehört, getan habe) gönne?!

 

... Es gäbe noch unzählige Möglichkeiten warum wer lieber draußen umher geistert, statt drinnen aufzutanken mit dem was ihm den Sturm draußen vergessen lässt, um danach gestärkt und gerüstet aus dem warmen Inneren nach Außen zu gehen.

 

Heißt nicht, dass das eine gut und das andere schlecht ist, jeder darf machen, wie er es für sich richtig findet. Auch wenn man hin und wieder eindeutig gegen sich arbeitet oder unkluge Entscheidungen trifft, dann wird es auf eine Art und Weise notwendig sein um zu lernen. Irrwege können vielerlei wertvolle Erfahrungen bringen, die wir nur da bekommen. Und man darf sich schließlich auch mal in die Scheiße reiten, sogar mit Anlauf und Arschbombe, wenn man will, bis man einsieht, dass es doch nicht der richtige Weg war. Fehler macht jeder, solche Lebensabschnitte oder Situationen kennt wahrscheinlich auch jeder. Kann man auch mal so machen, wichtig ist, daraus zu lernen und sinnlos ist so etwas nie, man schätzt das warme Innere dann nämlich umso mehr. 

 

Wie auch immer jemand unterwegs ist, es ist wie es ist, und es liegt immer an jedem selbst. Punkt. Da hat niemand anderer Schuld. Man kann beides machen, es sich gemütlich machen oder frieren, genießen oder jammern, jeder darf das für sich entscheiden.

Ich wünsche dir, dass du tief verbunden mit dem was du bist, was dich ausmacht, deine Stürme erfolgreich durchwanderst, dir Rückzug und Zeit mit dir gönnst, wenn immer dir danach ist, dich (wieder) daran erinnerst, was dir gut tut, woran du Freude hast, was du kannst

 

... was dich strahlen lässt!

HERZLICHST,


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