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No-Poo hat nix mit Po zu tun


Info für dich: Ich führe einen Firmennamen an, weil ich die Produkte selbst verwende und sehr schätze. Daher muss ich dich aber darüber informieren, dass dieser Artikel unbezahlte und freiwillige Werbung enthält. Danke für dein Verständnis.

Wer schon ein bisschen auf meinen Seiten gelesen hat, weiß bereits, dass diese ganze Umweltschutz-Nachhaltigkeits-Bio-Einstellung nichts Neues für mich ist, sondern ich das, seit ich denken kann, in mir trage, nur habe ich es leider in meinen pubertären (nicht zurechnungsfähigen) Jahren aussortiert und dann beinahe vergessen. 

 

Aber alles was man in seiner Kindheit tiefgreifend erlebt hat, kommt irgendwann wieder an die Oberfläche, damit man sich diesen Teil von sich dann nochmals angucken und entscheiden kann, ob er unbrauchbar ist und somit aussortiert werden muss oder sich (wieder) gut anfühlt und neu integriert werden soll. 


So poppte auch mein verbanntes Weltverbesserungs-Umweltschutz-Gen plötzlich wieder auf. Zuerst unauffällig, verfolgte mich, tippte hin und wieder mal auf meine Schultern, um auf sich aufmerksam zu machen und stand schließlich festentschlossen vor mir, um wieder das offizielle Wohnrecht einzufordern.

Das war eines dieser Comebacks, über die ich äußerst entzückt bin. Voller Freude nahm ich es wieder bei mir auf und wartete ab, was es mit sich bringen würde. Kennst du das, wenn du ein Spielzeug aus deiner Kindheit wiederfindest und du es mit der gleichen Begeisterung von damals entstaubst und wieder damit spielst? So fühlte sich das für mich an.

Wie immer, wenn ich etwas Neues (oder Altes wieder neu) entdecke, bedeutet das aber oft, oder meistens, Chaosausbruch. Zuerst in mir, dann in echt. Miss Creativity war also mit Idee Nachhaltigkeit gedanklich schon in unserem Zuhause unterwegs, um alles auszumisten und von Grund auf umzuorganisieren, während Herr Verstand noch versuchte, sie zu bremsen, nebenbei hysterisch alle Laden auf und zu schoß, Ordner zerlegte und schließlich krampfhaft das Verzeichnis im Keller durchsuchte, um ihren Anfall zu kategorisieren und hoffentlich fundierte Grundlagen für einen geordneten Ablauf liefern zu können. (Gelingt ihm meist nur bedingt bis gar nicht.)

Diesmal kam er allerdings stolz, mit einigen Unterlagen winkend, auf seine ungestüme Kollegin zu und berichtete aus meinen Kindheitserfahrungen. Fräulein Kreativ hörte zwar mit einem Ohr zu, um in ihr Konzept aufzunehmen, was sie für brauchbar hielt, war aber im Großen und Ganzen nicht aufzuhalten in ihrer Euphorie zu einer besseren Welt auch das im Moment Möglichste beizusteuern.

Daraus folgt: ich nutzte jede frei Minute, um das Netz zu durchstöbern, um mein Wissen von damals wieder aufzufrischen und nötige Updates vorzunehmen. Während ich unzählige Zero-Waste-Seiten durchstöberte und hunderte Plastikfrei-Ideen aufsaugte, stolperte ich bei meinen Recherchen in sämtlichen Nachhaltigkeitsblogs über eine Methode, namens "No-Poo". 

Ohne ordentlich zu lesen, was damit gemeint ist, schaltete sich mein anscheinend doch noch zu viel vorhandenes (und definitiv zu entsorgendes) more-drama-baby-gossip-Gen ein. Ihr kennt das: jemand erzählt (oder ihr lest) etwas und ihr springt in den Tratsch volley hinein, bevor ihr überhaupt darüber nachgedacht habt, ob das jetzt angebracht ist oder nicht. 

Ich also: Augenbraue hoch, dezent angewidertes Zurücklehnen, Kopf leicht zur Seite gedreht, Lippen so komisch aufeinander gepresst und Emotionskurve in Richtung "Sofort in unkontrollierte Empörung ausbrechen" gelenkt.

Was soll das jetzt wieder für ein unnötiger Trend werden?!?! ... "No-Poo"... heißt das jetzt "Viel Arsch ist out!", oder was!?!? Jetzt war man (= Frau jenseits von Klein-Knackarsch-Alter) irgendwie beruhigt, weil "viel-Poo" gefragt war und dann heißt es plötzlich "No-Poo"...?! Und überhaupt, wurde dieses scheußliches Motto einfach nur attraktiv formuliert, um damit bei sämtlichen socialmedia-gefluteten, jungen Frauen einen weiteren Hype auszulösen, oder was soll der Schmarrn?! HA?!
Ich seh es schon!!! Aufgestachelt von diesem oh-mein-Gott-ich-habe-keine-Ahnung-aber-klingt-mega-in-und-deshalb-muss-ich-mitmachen-Begriff, werden zig Promis zum Schönheitschirurgen ihres Vertrauens hetzen, der diesmal statt aufzupumpen wieder alles an scheinbar Zuviel absaugen darf, Zellulite- und Shaping-Produkte werden eine neue Hochkonjunktur erleben, die stillgelegten Abos der Fitnessstudios werden wieder voller Übermotivation (kurzzeitig) strapaziert werden, die Suchmaschinen werden verzweifelt mit 'Wie werde ich ihn (= Po) los in 10 Tagen?' bombardiert werden und schließlich werden sogar die heißgeliebten Highwaist-Hosen heulend in den Müll befördert und gegen Kleidung getauscht werden, die das eben noch so stolz präsentierte Hinterteil optisch ausreichend schluckt, damit Frau in dieser "No-Poo" Sache hoffentlich glamourös und up to date mitschwimmen kann. Traurig. Einfach nur traurig... 
 
Doch bevor sich mein spontaner und (zum Glück nur innerlicher) Shitstorm über diesen mir bis dato unbekannten Begriff noch mehr entfalten konnte, verstummte er sehr rasch und wandelte sich in ehrliches Interesse, als sich bei genauerer Recherche herausstellte, dass meine vorschnelle Interpretation eine doch recht dämliche war. (Sorgfältiges, sinnerfassendes Lesen lernt man in der Volksschule, Eliiiisabeeeth! Stell dich in die Ecke und denk über den Schwachsinn nach, der gerade dein Hirn geflutet hat!) 

Sobald ich dann fertig war mit Eckestehen, saß ich mit offenem Mund vor meinem Laptop und las mich durch sämtliche Blogs und Seiten und saugte alle Infos zu diesem "No-Poo" regelrecht auf.
 
So darf ich dir sagen, falls du nicht sowieso (und zwar sicher auch noch) schlauer bist als ich: 

"No-Poo" hat nix mit Po zu tun! 

sondern ist schlicht und einfach die Abkürzung für "No Shampoo" und heißt einfach nur, dass man ohne herkömmliches Shampoo Haare wäscht. 
 
Wie ohne Shampoo? 
Ja, eben mit ohne Shampoo.

Und nein, nicht ekelhaft, gar nicht.

Und ja, voll bio, aber nicht bio-Dinkel, sondern wenn überhaupt, dann voll bio-Roggen.

Oder eben auch mit wirklich nichts, dann wäre es "water only".

Ja, genau, wieder so ein Ausdruck. Heißt aber genau "nur Wasser" und ja, frag mich nicht... ich weiß auch nicht, warum das heutzutage auch im deutschsprachigen Raum immer super hip auf Englisch benannt wird!? Es würde ja mit "Anfoch woschn mit nix" auch so gut sein, oder "Loss lei Wossa über deine Fransn rinna", aber dann ist es vermutlich zu wenig global, um viral zu gehen und auf internationalen Blogs zu influencen... aber da bin ich wahrscheinlich schon zu sehr Fossil, um das zu verstehen!?!...
 
Irgendwann, nach 100 Beschreibungen und dem 500. Erfahrungsbericht was/warum/wie Haare ohne Shampoo und womit sonst waschen, war ich für mich ausreichend informiert:
 
1.) Keine Plastikverpackung
2.) Kein Mikroplastik
3.) Keine problematischen, sondern natürliche Inhaltsstoffe

Fazit: Wenn das tatsächlich funktioniert, dann ist es nicht nur wunderbar umweltschonend, sondern auch noch sehr liebevoll zu unserem Körper.
 
Diese Fakten waren meinem Herrn Verstand willkommen und er begann ruhig in seinen schönen, eben zurecht gelegten, "No-Poo"-Ordner einzuordnen, während Fräulein Kreativ hellauf begeistert das Fazit aus dem Fazit zog: Das wird getestet! Los!
 
Und wenn ich von etwas motiviert zur Tat schreiten will, dann soll das natürlich nicht am nächsten Tag oder die Woche drauf sein, sondern gleich, sofort und auf der Stelle. Geduld ist da echt ein blöder Spaßverderber.
 
Schon stand ich in der Küche:

Schüssel - check ☑️
Löffel, Sieb - check ☑️
Apfelessig - check ☑️
Wasser - logisch- auch vorhanden ☑️
Roggenmehl - uuuuund check ☑️
 
Mein Vorhaben: Haarewaschen mit Roggenmehl und als Spülung eine saure Rinse/Spülung mit Apfelessig
Klingt toll, oder? Haha, ich hab' dein Gesicht runterfallen gesehen. Und ja, das ist mein Ernst.

Während ich gerade vertieft alles vorbereitete, fragte mein Mann ganz interessiert, welches Brotrezept ich denn probiere. Fasziniert von der Nix-Shampoo-Methode erklärte ich ihm, dass das (vor mir abgepanschte Zeugs) mein neues Shampoo würde. 
Stille.
"Ah.... Aber wenn du mit Föhnen fertig bist, haben wir dann trotzdem Brot", lachte er verschmitzt... Das lockte natürlich auch die Kinder in die Küche, die ihre Nase in die Schüssel steckten: "Mama, was wird das?? ..." Auch sie versuchte ich voller Freude zu überzeugen, dass das was ganz Tolles wird.
Ebenfalls Stille. 
Wechselnde Blicke. 
"Mama, du bist so eine Bio-Dinkel-Tante!" 
Gelächter. Und Abgang der Bande
"Das ist R. O. G. G. E. N.!", rief ich noch nach, aber das juckte niemanden. Sie überließen mich einfach wieder meiner Mehlpampe.
Erwartungsvoll legte ich los. 
Haare mit Wasser (starker Strahl) zuerst gründlich durchgespült, dann das Roggenmehl-Gemisch rein, nur auf die Kopfhaut und den Ansatz, leicht einmassiert (nicht rubbeln, das regt die Talgbildung erst recht an), dann mit Wasser alles wieder raus, Essigwasser drüber, fertig. 

Neugierig wie er ist, stand der Herr des Hauses plötzlich in der Türe, um nach dem Ergebnis zu sehen, wich aber mit großen Augen gleich wieder zurück: "Nau servas!!! Du bist ein Essigpatschn!! Ja biiiist du narrisch, bleibt der Geruch?". "Na, sicher nicht!!! Was glaubst du denn?!", gab ich überzeugt von mir, obwohl ich mir genau die selbe Frage gestellt hatte, schließlich hatte ich diesen (im wahrsten Sinne des Wortes) umwerfenden Duft in unmittelbarer Nasennähe und konnte im Gegensatz zu ihm nicht davor flüchten.

In meinem Kopfkino kreierte ich schon passende Werbeslogans... "No-poo. Schont die Umwelt, bringt die Scheidung!", "No-poo. Schöne Haare für Singles." oder "No-poo, no-man!" ...
Aber, jetzt war er ohnehin schon schockiert, da konnte ich es auch gleich bis zum bitteren Ende durchziehen... 

Ich bin gewohnt, trotz hochwertiger Haarpflegeprodukte, nach dem Waschen eine storchennestähnliche Verwüstung auf dem Kopf zu haben, welche mit Mühe und Bedacht langsam zu nach unten hängenden Haaren gekämmt werden muss, und ich erwartete mir ein weit schlimmeres Desaster nach der Roggenmehl-Essig-Aktion, doch dem war nicht so. Ich konnte meine gut schulterlangen Haare tatsächlich recht gut auskämmen, wobei mir nur auffiel, dass noch Reste vom Roggenmehl dabei mit aus den Haaren kamen. Sie fühlten sich auch ganz anders an, nicht so glatt schmierig wie nach einer Pflege mit Conditioner, sondern irgendwie total sauber und quietschig. Das Föhnen war deswegen etwas ungewohnt, aber das Ergebnis absolut überraschend:

saubere Kopfhaut, gepflegter Ansatz, keine Spur von fettig und weiche, füllige Haare... Aber das Wichtigste: der Essiggeruch war weg! 

Memo an mich: Keine Gefahr also für Beziehungen. Neue Werbeslogans ausdenken! 

 

Memo an meinen Verstand: "No-Poo" - Ordner bleibt! Und bitte um diese Erfahrung erweitern! 

 

Memo an meine Miss Creativity: Lass uns schauen, was wir als nächstes probieren!! Ich hab' was von Ei und Zitronensaft gelesen...

 

Mittlerweile ist ja einige Zeit vergangen, die ich selbstverständlich sehr kreativ genutzt habe. Ich testete Roggenmehl und saure Rinse in verschiedenen Variationen, auch Haarseife und Tonerde, mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen.

Dazwischen war ich immer wieder im Internet unterwegs, um noch mehr Ideen zu bekommen und kam durch eine liebe Freundin auf sogenannte Solid Shampoos. Da meiner Tochter (15|lockige, lange Haare) die Mehl-Essig-Sache doch zu "Bio-Eso" war, testete ich mit ihr die festen Shampoos und Conditioner von HAUTSINN und wir verliebten uns beide.

 

So wandelte und leerte sich unser Badezimmerschrank ziemlich. Die teuren Haarpflegeprodukte wurde verabschiedet und stattdessen findet man darin nun Bio-Vollkornroggenmehl, Apfelessig und unsere Shampoo- und Conditionerbars.

 

Meine Haare sind mir heilig und ich nahm mir immer schon viel Zeit für Pflege und Styling, weil ich meine Löwenmähne liebe. Als ich diese Idee der natürlichen Wäsche und Pflege entdeckte, wusste ich: das will ich, der Umwelt und meinem Körper zu liebe. Ich stellte mich zwar darauf ein, dass es einige Zeit dauern könnte, bis meine Haare nach der Umstellung wieder zufrieden sein würden, aber die waren erstaunlicherweise schon ab der ersten Roggenmehlwäsche hocherfreut. So feiere im Badezimmer je nach Laune entweder einer Roggenmehl-Haarfete mit Zitronenwasser-Abgang oder eine Solid-Shampoo-Party mit Conditioner-Bar und meine (wieder) langen Haare werden immer schöner und gesünder. Wie herrlich!

 

Solltest du jetzt das seltsame Bedürfnis verspüren, auch so komisches Zeug in deine Haare schmieren zu wollen: es gibt super viele Infos im Netz für alle möglichen Arten der natürlichen und plastikfreien Shampoo-Alternativen (z. B. Tipps für Haarwäsche mit Roggenmehl fand ich bei smarticular) Probiere aus, was dich anspricht oder zeig mir gedanklich den Vogel, wenn du das alles für bescheuert hältst ;)... aber einen Versuch, in die Sache hineinzuschnuppern, ist es definitiv wert, denn weniger Plastik und mehr Natur ist nie ein Fehler!

Ich wünsche dir viel Spaß beim Recherchieren und Probieren

und hoffentlich bessere No-Poo-Werbeslogans kreieren ;)


 

HERZLICHST,


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Kommentare: 2
  • #1

    Sigrid (Montag, 22 Juni 2020 16:57)

    Hallo du liebe Roggenmehl ins Haar schmierende nach Essig triefende Bio Dinkel Tante!
    Ich gebe es zu, ich hab das Gesicht verzogen bissi aber nur bissi den Kopf geschüttelt aber Augen gerollt hab ich nicht.
    Hihi
    Ich kenn das ohne Shampoo wußte nicht dass es einen Namen hat.
    Eine Freundin von mir macht das schon lange aber es kostete mir ein Schulterzucken.
    Ehrlich gesagt.
    Ich fühle mich schon fortschrittlich wenn ich ohne Silikone wasch.
    Was mir jedoch aufgefallen ist, meine Tochter hat viele lange dicke Haare und während Corona hat Helena nie shampooniert, gespült, Pflege gesprüht und gefönt.
    Sondern immer nur mit Wasser gewaschen. Entweder weil es heiß war mit Gartenschlauch oder in der Badewanne ohne Zusatz.
    Seltsam dachte ich mir immer wieder.
    Ihre Haare waren so schön!
    Ich Urschl hab sie wieder überredet bitte doch zu Schulbeginn so freundlich zu sein zu shampoonieren, spülen, Pflege, spülen, Kämmhilfe zu sprühen und zu föhnen.
    Ihre Haare waren einen Tag schön.
    Vielleicht haben sie mir die Zunge gezeigt und haben mich geschimpft und deshalb alles kraftlos hängen lassen.
    Ich freu mich über deinen Beitrag und denke darüber nach es wieder zu zulassen.
    Alles Liebe, Sigrid

  • #2

    Elisabeth Mara (Dienstag, 23 Juni 2020 11:45)

    Liebe Sigrid!
    Ich hatte gerade Kopfkino hahaha... Ja, wenn wir Mamis von unseren Kindern lernen können ;)
    Herrlich!
    Liebe Grüße!

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